Wohnen an der Stadtmauer

Posted by on 16. Juni 2009
Genial zentral: Platz für individuelle Gestaltungsvarianten gelassen

Der „tag der architektouren“ feiert ein Jubiläum: Zum 15. Mal lenken Thüringer Architekten und Architektinnen die Blicke auf gestaltete Umwelt. Am 27. und 28. Juni öffnen in 33 Städten 67 Gebäude ihre Türen, davon in Bad Langensalza drei. Eins davon ist das städtebauliche Konzept Projekt „Genial zentral“, Wohnen an der Stadtmauer in der Oostkampstraße.

Von Iris HENNING

BAD LANGENSALZA.

Bebauung im sensiblen, mittelalterlich geprägten Innenstadtbereich – darauf legt der städtebauliche Entwurf den Schwerpunkt. Die von der Stadt Bad Langensalza als Bauherr beauftragten Architekten, Antje Osterwold und Matthias Schmidt aus Weimar, haben Ideen und beweisen Mut zum Neuen: Sie implantierten eine neue Gebäudestruktur in den Innenbereich. Durch den Verlauf der als Wohnanger interpretierten Engen Gasse wird diese Struktur in zwei Bereiche gegliedert. „Die neue Struktur reagiert damit auf die kleinteilige Stadtstruktur und ergibt eine differenzierte Abfolge von Freiräumen, die im Zusammenspiel mit drei unterschiedlichen Haustypen – Haus am Anger, Haus im Hof, Haus im Garten – zu charakteristischen haus- und wohnungsnahen Teilräumen führt“, heißt es dazu aus dem Architektenbüro. Das bisherige Prinzip von Vorderhaus, Seitenflügel und Hinterhaus wurde abgelöst durch die Anordnung von zwei- bis dreigeschossigen Einfamilienhäusern der genannten Typen. „Sie sind thematisch variiert nach öffentlicher (Anger), halböffentlicher (Hof) und privater (Garten) Lage und bieten gleichwertige Wohnqualitäten. Die Grundstücke mit 300 bis 500 Quadratmeter Fläche besitzen größtenteils west- und südorientierte Gärten“, beschreiben die Architekten ihr Projekt. Die Erschließung der zu fünf Nachbarschaften gruppierten Gebäude erfolgt jeweils über den gemeinsamen Wohnhof. Der ist eine öffentliche Fläche und durch einen Weg mit der zentral verlaufenden neuen Oostkampstraße verbunden. Feingliedrige Gassen, Vorzonen und Wohnhöfe sind die Attribute der stärker städtisch aufgefassten Wohnhäuser an der „Engen Gasse“. Die im rückwärtigen Teil gelegenen Gartenhofhäuser bieten mit ihren eigenen Gärten ein Stück Privatsphäre in der eher randstädtischer Einfamilienhausqualität.

Das künftige Wohnen an der Stadtmauer lässt den Bewohnern Gestaltungsvarianten: Räume intimen wie öffentlichen Charakters ergeben ein ausgewogenes Geflecht, das dem Anspruch des Quartiers nach städtischem wie privatem Raumcharakter gerecht wird. Der kleine Stadtteil lässt Nachbarschaften entstehen und bietet zugleich Raum für individuelle Entfaltungsmöglichkeiten. Alle drei Gebäudetypen bieten flexible Raumgrößen und Grundrissgestaltungen. Die Architekten: „Es sind Wohnflächen von 130 bis 200 Quadratmeter bei maximal vier bis sechs Zimmer erzielbar. Die optionale Erweiterbarkeit (Staffelgeschoss und rückwärtiger Anbau) der Häuser sichert deren Anpassungsfähigkeit an veränderliche Ansprüche. Sie ermöglichen beispielsweise Mehrgenerationenhaushalte oder die Integration gewerblicher Nutzungen. Eine Garage ist jeweils integriert, ein weiterer Stellplatz befindet sich in der Zufahrt zum Wohnhof. Interne Fahrgassen, die von der querenden Engen Gasse als zentralen Anger abgehen, erschließen die rückwärtigen Bereiche der historischen Blockrandbebauung.“

Die Thüringer Projektinitiative „Genial zentral – Unser Haus in der Stadt“ startete im Oktober 2002. Sie hatte zum Schwerpunkt, brach gefallene innerstädtische Flächen in überschaubaren Zeiträumen einer attraktiven Wohnnutzung zuzuführen. Jungen Familien mit Kindern sollte sie die Bildung von Wohneigentum ermöglichen. Vor diesem Hintergrund stand im Jahre 2007 eine Erweiterung der Projektinitiative in „Genial zentral – Entwicklung innerstädtischer Brachflächen“. Ziel ist die Revitalisierung von ehemals baulich genutzten brachliegenden Flächen in den gewachsenen Stadtstrukturen.

ber das „Wohnen an der Stadtmauer“ in Bad Langensalza informiert Architektin Antje Osterwold am Samstag, 27. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr. Von 10 bis 18 Uhr ist zu einem Stadtteilfest eingeladen.

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