Das letzte Wort hat das Feuer

Posted by on 16. Juni 2009
Fernöstlicher Keramiktradition aus Mühlhausen auf Kunstmarkt in Friedrichsrode

Vom Feuer gezeichnet ist Raku-Keramik. Zum unverwechselbaren Einzelstück wird diese Keramik. Skulpturen und stilvolle Gebrauchsgegenstände kommen aus der Raku-Werkstatt der Mühlhäuser Keramikerin Adelheid Stauch. Sie ist eine der wenigen Thüringerinnen, die die japanische Keramiktradition beherrscht. Morgen vertritt sie mit weiteren Künstlern aus der Region den Unstrut-Hainich-Kreis beim 19. Kunstmarkt in Friedrichsrode. Adelheid Stauch ist seit dem ersten Kunstmarkt 1991 jedes Jahr mit dabei.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN (ih).

„Raku“ bedeutet Glück, stille Freude und Wohlgefühl und ist eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden. Die Ursprünge der japanischen Keramiktradition Raku-Yaki gehen auf den Gründer Chojiro zurück, der im Japan des 16. Jahrhunderts lebte. Außer den Teeschalen wurden auch Behälter für das Teepulver mit dieser speziellen Technik gefertigt sowie die Vasen für das Blumenarrangement.

Adelheid Stauch gestaltet mit dieser fernöstliche Keramiktradition mitteleuropäisch Modernes. Formschöne Skulpturen holt sie aus der Hitze des Feuers: mystische Engel, kugelige Fische, bootsähnliche Formen, elegante Figuren… Wenn auch ihre Werke anders sind als die aus dem alten Japan: Die Besonderheit an Raku-Keramik ist geblieben, nämlich die sthetik der schlichten Formen und die speziellen Glasuren mit den typischen schwarzen Raku-Effekten.

Zwischen 900 und 1000 Grad Celsius gebrannt, wird die Töpferware noch glühend aus dem Ofen geholt und mit Sägespänen, Heu oder Stroh „geräuchert“. Durch die Gluthitze geht das leicht entzündliche Abdeckmaterial sofort in Flammen auf und die Keramik wird an den Stellen, die vorher nicht mit Glasur versehen wurden, durch den Entzug von Sauerstoff geschwärzt. „Reduktionseffekt“ nennen das die Raku-Keramiker. Durch den Temperaturschock entstehen zudem die typischen Risse. Auf die Größe und Beschaffenheit der Risse kann man während des Prozesses auf Grund der Erfahrung zwar in gewissem Umfang Einfluss nehmen, erklärt die Keramikerin. Trotzdem bleibt das Ergebnis im Detail unvorhersehbar. Das letzte Wort hat das Feuer“, so Adelheid Stauch. Gerade durch diesen „gesteuerten Zufall“ wird jede Keramik ein unverwechselbares Einzelstück.

Raku-Keramik und anderes aus ihrer Werkstatt bietet sie Samstag, 20. Juni, auf dem Kunstmarkt in Friedrichsrode an. Der findet in diesem Jahr zum 19. Mal statt. Ab 10 Uhr werden insgesamt über hundert Künstler, Kunsthandwerker und Aussteller aus mehreren Bundesländern entlang der Straßen und in den Fachwerkhöfen ihre Werke zum Verkauf ausstellen. Konzerte, Straßentheater und Mitmachangebote für Kinder machen den Kunstmarkt noch erlebnisreicher.

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