Hingucker an der Hauptstraße

Posted by on 3. Juni 2009
Judith Unfug-Leinhos setzte einer alten Linde ein farbenprächtiges Denkmal

Darauf hat die Fassade gewartet: Dass die begabte Nachbarin sich ihrer endlich annimmt und sie mit dem seit drei Jahren versprochenen Gemälde verziert. Zwei Tage brauchte die Thamsbrücker Künstlerin Judith Unfug-Leinhos, um ihr Versprechen einzulösen. Eine stilisierte Linde vor einem phantastischen Farbhintergrund ist nun der Hingucker an der Hauptstraße.

Von Iris HENNING

THAMSBRCK.img_2842
„Manchmal ist ein Motiv so schön, dass ich es irgendwann umsetzen muss“, sagt Judith Unfug-Leinhos. In diesem speziellen Fall war es eine alte Linde am Böhmen in Bad Langensalza. Seit Jahren kommt die Künstlerin immer wieder zu diesem Baum, fotografiert ihn, betrachtet ihn, genießt ihn. Er, der hohle, der ausgebrannte und immer wieder ins Leben zurückfindende Baum fasziniert sie. Und irgendwann stand für sie fest: Die Linde liefert das Motiv für die Fassade am Nachbarhaus. Das gehört ihrem Bruder und der war durchaus zu haben für diese schöne Idee.
Da in einem kleinen Ort wie Thamsbrück, wo jeder jeden kennt, so ein Vorhaben nicht lange geheim bleibt, fingen auch bald schon die Spekulationen an über das künftige öffentliche Gemälde. Vermutet wurde, dass die Künstlerin, die in Großengottern als Lehrerin arbeitet, bestimmt etwas Traditionelles im Bild festhalten würde, eine Szene aus dem alljährlichen Ablassfest zum Beispiel. Kühne Männerfantasien schwärmten dagegen von weiblichen Rundungen, die auch ganz nett aussehen würden.
Als die stilisierte Linde vor dem märchenhaften Farbhintergrund im Format drei mal drei Meter fertig war, ging aber ebenso ein Ah und Oh des Gefallens und der Anerkennung durchs Dorf. Männer und Frauen kamen, um sich das Gemälde anzuschauen, Autofahrer hupten oder blieben stehen, um zu schauen. Einer von ihnen ganz besonders lange. Er erkannte sogleich „seine“ judith-unfug-leinhosLinde am Böhmen wieder, der er vor Jahrzehnten, als er Kind war, so übel mitgespielt hatte. In seiner Abenteuerlust zündelte er im hohlen Inneren des Baumes. Aus dem Lagerfeuer wurde eine große Flamme. Das Kind konnte sich retten. Lange Zeit war unklar, ob auch der Baum das Feuer überleben würde. Mühsam schaffte er es. Der Baum ist eine Kämpfernatur.
Nun setzte ihm die Thamsbrücker Künstlerin noch ein kleines Denkmal. Zwei Tage stand sie dafür auf einem Gerüst, arbeitet mit schmalem Pinsel an dem großflächigen Werk. Eine Vorzeichnung gab es nicht, die brauchte sie nicht. So oft schon stand sie vor und unter diesem Baum, dass sie ihn aus dem Gedächtnis wiedergegeben hat. Dass die Thamsbrücker diese Linde gleich so in ihr Herz geschlossen haben, sei „richtig schön“ gewesen, freut sich Judith Unfug-Leinhos.
Mehr Bilder der Thamsbrückerin sind ab kommenden Freitag in der Mühlhäuser „Galerie o.T.“ des Vereins Kunstwestthüringers, in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße 20 zu sehen. „Zwischenzeit – die zweite“ ist der Titel der Schau, die Acrylmalerei, Collagen und Zeichnungen zeigt. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr.

unfug

unfug1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.