Die Mallinden

Posted by on 26. Mai 2009
Grabhügel oder Gerichtsstätte: Niemand weiß es genau

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Ein Naturdenkmal, worauf die Vogteier besonders stolz sind, sind die Mallinden, die zwischen Niederdorla und Oberdorla, direkt an der Landstraße, stehen.

Von Iris HENNING

NIEDERDORLA.
Gut vierhundert Jahre alt ist die dickste der drei prächtigen Linden. ber neun Meter misst der Umfang des weitläufiger Stammes. Die alte Dame musste vermutlich schon mächtig leiden in ihrem langen Leben. Ausgemauert ist ihr Inneres und mit Beton verfüllt. Vermutlich war diese Operation damals, vor etwa hundert Jahren, ihre einzig mögliche Rettung. Diese Sicherungsmaßnahme soll der ansässige Fabrikant Anton Knöpfel veranlasst haben. Die zwei jüngeren Schwestern der alten Linde sind mit ihren geschätzten zweihundert Lebensjahren beinah noch jugendlich. Gemeinsam geben sie ein imposantes Bild an der Landstraße zwischen Oberdorla und Langula.
In welche Gemarkung die Mallinden gehören, scheint unklar. Offiziell ausgewiesen sind sie in der Gemarkung Oberdorla. Doch das Ortsschild lässt auf Niederdorla schließen. Die Niederdorlaer haben auch eine Straße, an der schmucke Einfamilienhäuser stehen, nach den Mallinden genannt, die allerdings „Mahllindenweg“ heißt.
Allgemein angenommen wird, dass die alten Linden auf einem alten Grabhügel der Alteinwohner des Gebietes Dorla wachsen. Gesichert ist diese Annahme jedoch nicht. Auf Suchgrabungen wird im Interesse der Bäume verzichtet. Es gibt noch eine zweite These. Die besagt, der Lindenhügel sei einst Gerichtsstätte gewesen. Die Linde war in alter Zeit der Göttin Freya, der Herrin der Gerichte, geweiht. Da diese Tradition auch in christlichen Zeiten weitergeführt wurde, könnten die Mallinden noch die Zeugen für eine ehemalige Gerichtsstätte sein. Zumal Experten die älteste Linde auch schon auf gut 600 Jahre geschätzt haben.
Ein Rundwanderweg von den Mallinden aus führt nicht nur an Naturschönheiten vorüber, sondern auch an Plätzen von kulturhistorischer Bedeutung. Nur ein kurzes Stück entfernt liegt das Opfermoor von Niederdorla. Aufgefundene Gräber und Siedlungsfunde lassen auf eine Besiedlung seit der Jungsteinzeit um 5 500 vor Beginn der Zeitrechnung schließen. Das Ausstellungsgebäude und die Freianlage haben täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Ort der Entspannung ist zudem der gleich benachbarte Teich, der ehemalige Torfstich von Niederdorla. ber Feld- und Wiesenwege ist nach guten fünf Kilometern bereits die Vogelschutzwarte Seebach erreicht. Wer nicht so weit gehen möchte, genießt die knorrige, alte Kirschplantage und die schöne Blüte der wilden Rosen sowie das satte Grüne des Flächennaturdenkmals kurz vor Seebach. Südlich führt nun ein stark zerfahrener Feldweg einen leichten Hang hinauf, der im weiteren Verlauf auf Niederdorla trifft. Durch das immer schöner werdende Dörfchen gelangt man schließlich über den Mahllindenweg wieder zu den Mallinden. Egal, ob sie auf einem alten Grabhügel stehen oder eine ehemalige Gerichtsstätte symbolisieren: Ein steinerner Tisch im Schatten der Bäume ist nach dieser Tour willkommener Rastplatz. Nur das ständige Rauschen der Fahrzeuge auf der stark frequentierten Straße muss man ignorieren können.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für diese etwa acht Kilometer lange Rundwanderung sind die Mallinden an der Landstraße zwischen Oberdorla und Langula (Ortsausgang Oberdorla).
Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa zwei bis zweieinhalb Stunden.
Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine. Es sind kaum Höhenmeter zu bewältigen. Allerdings können Asphaltstraße, Betonweg und zerfahrene Feldwege das Laufen beschwerlich machen.
Die Strecke ist ausgeschildert, allerdings nicht als Rundwanderweg. Eine Orientierung ist aber gut möglich. Eine Wanderkarte kann dennoch nicht schaden.
Empfehlenswerter ist ein Besuch der Freifläche des germanischen Opfermoors. Dieses „Museum zum Anfassen“ ist auch für Kinder sehr interessant. Wer noch mehr Geschichte erfahren möchte, plant noch etwas Zeit für das Ausstellungsgebäude ein.
Einkehrmöglichkeit gibt es in den Wirtshäusern von Niederdorla. Für die Brotzeit aus dem eigenen Rucksack ist der Rastplatz unter den Mallinden empfehlenswert oder ein Picknick auf der alten Obstplantage.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

DIASCHAU

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.