Vom Aussterben bedroht

Posted by on 18. Mai 2009

Ausgerechnet das Naturschutzgebiet wird der Gelbbauchunke zum Verhängnis

Sie ist fünf Zentimeter klein, wiegt etwa zehn Gramm und steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Gelbbauchunken haben es nicht leicht, ihre Zukunft zu sichern. An vielen Orten sie sie bereits verschwunden. Zu den wenigen Gebieten in Thüringen, wo die Unke noch vorkommt, zählt das Schutzgebiet Dörnaer Platz, nordwestlich von Mühlhausen.

Von Iris HENNING

DRNA.
Ihre Oberseite ist grau bis dunkelbraun oder olivfarben. Die Unterseite ist blaugrau oder braun und von gelben bis orangen Flecken durchsetzt. Ihre Augen sehen aus wie kleine Herzen. Zu ihren Beutetieren zählen hauptsächlich Kleininsekten. Die Wintermonate überstehen die Unken in Erdhöhlen oder anderen frostsicheren Behausungen. Ab April leben sie bevorzugt in kleinen vegetationsarmen wassergefüllten Tümpel, Fahrspurrinnen oder Gräben. Dort sind die dumpf wirkenden „..uuh..uuh..uuh“- Ruflaute der Männchen während der Paarungszeit kaum zu überhören. Wenn man sie hört. Denn Gelbbauchunken sind rar geworden. Das beobachtete auch der in Eigenrieden lebende Naturwissenschaftler Dr. Ralf Weise. „Habe ich vor zwanzig Jahren auf meine Exkursionen ohne Probleme gut hundert dieser Tiere gefunden, ist es heute schwierig, auch nur ein einziges Exemplar zu entdecken“, macht er den dramatischen Rückgang der Gelbbauchunken deutlich.
Für das Verschwinden der Tiere auf dem „Dörnaer Platz“ nordwestlich von Mühlhausen hat der Experte eine Erklärung, die anfangs paradox klingt: Ausgerechnet die Ausweisung des einstigen Truppenübungsplatzes als Schutzgebiet macht er dafür verantwortlich. Den Tieren fehlen die Tümpel, die sich in den tiefen Fahrrinnen der schweren Technikfahrzeuge gesammelt haben. Diese sich schnell erwärmenden Pfützen sind die Tempel ihrer Paarungslust. Nach der Paarung heften sie ihre Eier an Grashalme oder andere Gegenstände im Gewässer. Doch im Naturschutzgebiet gibt es keine Fahrrinnen mehr, die zum Liebesspiel einladen. Die Gelbbauchunken sterben aus. Wenn der Lebensraum der Gelbbauchunke also erhalten bleiben sollte, müssten schwere Fahrzeuge ihre Spurrinnen hinterlassen. Doch es ist eher unwahrscheinlich, dass die Bundeswehr ihre Panzer mit der Mission, die Gelbbauchunken zu retten, auf den einstigen Truppenübungsplatz schickt. Die Gelbbauchunke wird vermutlich weiter vom Aussterben bedroht sein. Sollte doch mal wer ein Exemplar entdecken, den warnt Dr. Weise vor dem Berühren der Unke. Die sondert über die Haut ein giftiges Sekret aus, das große Schmerzen verursachen kann. Das Gift ist ihre Abwehr gegen Feinde. Richtig giftig sieht die kleine Unke übrigens aus, wenn unmittelbare Gefahr besteht und sie nicht flüchten kann. Sie drückt ihre Bauchunterseite fest auf den Boden und biegt gleichzeitig ihre Vorder- und Hinterextremitäten um, so dass ihre alarmierend gelben Flecken sichtbar werden. Dieses Verhalten soll abschreckend auf ihre Feinde wirken. Doch gegen ihre größte Bedrohung, das Ausbleiben der Tümpel, kann die Gelbbauchunke nichts ausrichten.

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HERZLICH: Die Augen der Gelbbauchunke sehen wie kleine Herzen aus. Bei Gefahr krümmt sich das Tier seltsam zusammen. Vorder- und Hinterextremitäten werden umgebogen.

Fotos: R. WEISE

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