Alter bleibt Geheimnis

Posted by on 12. Mai 2009
Die 1000-jährige Eiche bei Volkenroda ist vermutlich wesentlich jünger

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Schöne Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Ein kleines Refugium der Stille ist der Volkenrodaer Wald, in dessen Nähe einer der herausragendsten Baumriesen steht: Die „1000-jährige Eiche“. Sie wurde erst im Jahr 2005 unter Schutz gestellt.

Von Iris HENNING

VOLKENRODA.
Ihr Alter macht sie zur stärksten Eiche Thüringens. Die tausendjährige Eiche in Volkenroda ist 23 Meter hoch, ihr Stamm hat einen Umfang von fast zehn Metern. Ihre einstige harmonische Kugelform hat sich im Lauf ihres langen Lebens bizarr verändert. Blitzschläge und Stürme zeichneten den Baum und stutzten manchen Ast. 1989 ging wieder einmal ein schweres Sommergewitter über Volkrenroda nieder. Ein Blitz traf die Eiche und in Folge stürzte ein die Krone aufbauender Hauptast ab. Niemand wusste, ob der Baum diesen Schlag überleben wird. Die Helfer brauchten Tage, um ste und faules Holz aus dem Stamm zu entfernen. 1991 wurde der Baumveteran von einer Spezialfirma gründlich saniert.
Wie alt genau die Volkenrodaer Eiche ist, das weiß keiner genau. Zwar könnte man theoretisch einfach die Jahresringe zählen – nur leider sind die nicht mehr vorhanden. Der Baum ist im Kern ausgehöhlt. Eine Metallgittertür verschließt den Hohlraum. Kein ungebetener Gast soll hineinkriechen können. Jüngste Untersuchungen schätzen den Baum auf wahrscheinlich 600 bis maximal 900 Jahre. Das lassen die Volkenrodaer allerdings nicht gelten. Für sie bleibt es die tausendjährige Eiche. Dieses Alter haben sie auf ein Holzrelief geschrieben, das nahe des Baumriesens steht.
Auch, wenn die Eiche ihr wahres Alter streng geheim hält, ist sie doch eine gern besuchte Methusalem-Dame. Das macht wohl auch der Reiz der Landschaft aus. Der stille Volkenrodaer Wald grenzt unmittelbar an und auch ein Marsch zu den Kälberteichen ist lohnenswert. Vom Waldparkplatz sind beide Ziele als Rundwanderwege gut ausgeschildert. Eine gute Stunde Spaziergang ist die Exkursion über den Naturlehrpfad durch den Wald, der über Stock, Stein und Steg führt. Weicher Boden im schattigen Mischwald machen das Wandern und Erleben der Pflanzenvielfalt zum kleinen Genuss. Lediglich ein kleines Stück Landstraße ist zu passieren. Doch hierher verirren sich nur selten Autos.
Wer den Wald hinter sich gelassen hat und sich nun noch auf den Weg zu den Kälberteichen begibt, entdeckt eine völlig andere Natur. Vorbei an ebenfalls alters-stattlichen Bäumen und über eine weite, satte Wiese führt der Weg. Auf der grüßt ein einsamer Torbogen mit vier Säulen den Wanderer. Es ist die „Jodoku-Skulptur“ des Schweizer Künstlers Karl Imfeld, die den Anfang und das Ende symbolisiert. Die Skulptur ist eine Zeugin der Weltausstellung Expo 2000, während der auch das kleine Dorf Volkenroda sowie das 1131 gegründete Kloster eine Rolle spielte. In Volkenroda steht die älteste, noch erhaltene Zisterzienser-Klosterkirche Deutschlands.

Gut möglich, dass damals, vor 878 Jahren, mit Einweihung des Klosters auch die Eiche gepflanzt wurde. Belegen wird das niemand mehr können. Fest steht dagegen, dass die Volkenrodaer Eiche eine der ältesten Exemplare ihrer Art in Thüringen ist, wenn nicht gar die älteste Eiche überhaupt. Deutschlands vermutlich älteste Eiche steht in Ivenack, Landkreis Demmin. Diese wird auf maximal 1200 Jahren geschätzt. Die große Schwester der Volkenrodaer Eiche bringt es auf einen stattlichen Stammumfang von mehr als elfeinhalb Meter und eine Höhe von 35,5 Meter. Um diese Maße zu erreichen, muss die Volkenrodaer Eiche noch ein paar Jahrhunderte überdauern.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für diese etwa sechs Kilometer lange Rundwanderung ist der Waldparkplatz in Volkenroda.
Die Gehzeit für die Strecke beträgt etwa zwei Stunden.
Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer keine. Während der etwas mehr sechs Kilometer sind nur etwa sechzig Meter Höhenunterschiede zu bewältigen.
Einkehrmöglichkeit gibt es im Gasthaus im Dorf, gegenüber des Waldparkplatzes. Bänke auf der großen Wiese, direkt unter der Eiche, laden zur Brotzeit aus dem eigenen Rucksack ein.
Am Himmelfahrttag ist die alte Eiche beliebter Ausflugsort für Wanderer.

(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

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