Klingende Saiten

Posted by on 11. Mai 2009
Mandolinenorchester „Eichsfeldia“ lädt am Sonntag zum Jubiläumskonzert in die Kornmakrtkirche ein

Mandoline spielen war vor achtzig Jahren große Mode. Der „Zupf-Bazillus“ verbreitete sich schlagartig. Fast in jedem Dorf entstanden Mandolinenvereine. Nur einer davon hat im Unstrut-Hainich-Kreis überlebt: Der Mandolinenverein „Eichsfeldia“ Struth. Der feiert am kommenden Sonntag seinen 80. Geburtstag.

Von Iris HENNING

STRUTH.
Das Jubiläumsständchen bringt sich der Verein selbst – als Festkonzert in der Mühlhäuser Kornmarktkirche. Marco Tasch wird vor dem Ensemble stehen und es dirigieren. Seit Wochen wird für dieses Ereignis emsig geprobt. Jeden Freitagabend verwandelt sich das Obergeschoss des Struther Kindergartens in eine kleine, klangvolle Konzerthalle. Zwischen dreizehn und 83 Jahre alt sind die dreißig Spieler au Struth, Lengenfeld/Stein, Langula, Effelder und Küllstedt.
Gegründet wurde der Mandolinenverein am 3. Juli 1929. Reine Männersache war das Zupfen damals. Die Damen brauchten noch Zeit, sich ihren Platz im Orchester zu erobern. 1931 hatte sich zumindest eine hinzugesellt. Auf einem historischen Foto aus dem Jahr 1934 sind schon zwei Zupferinnen auszumachen. Dann gibt es über fast zwanzig Jahre keine Dokumente mehr. Kriegs- und Nachkriegsjahre überrollten überall die Volkskunst. Erst 1951 wurde in Struth die Kraft für einen Neubeginn des Mandolinenvereins gefunden. Hubert Tasch erlernte das Mandolinespiel, ihm schlossen sich bald weitere junge Leute an, so als wollte man sich aus den überlebten schlimmen Jahren in eine bessere, friedliche Zeit hineinzupfen. Jeder Anlass kam gelegen, ein Ständchen zu zupfen, zum Tanz aufzuspielen oder kleine Konzerte zu geben. Die Sehnsucht nach Geselligkeit und Abwechslung war groß. In späteren Jahren folgten größere Konzerte für Kur- und Feriengäste. „Zehn bis zwölf Konzerte im Jahr waren das“, blickt Michael Tasch, der heutige erste Vorsitzende des Vereins, auf die Chronik zurück.
Eine neuerliche Bestandsprobe hatte der Verein zu überstehen, als sich das Land politisch wandelte. Die gewohnten Auftrittsmöglichkeiten gab es plötzlich nicht mehr. In offenen Kirchen und Klöstern in der Umgebung wurden schließlich neue Orte erschlossen, fanden die Musiker neue Orientierung. Aus den früheren Unterhaltungsauftritten wurden nun Konzerte mit künstlerischem Anspruch.
Ein solches wird am kommenden Sonntagabend auch in der Mühlhäuser Kornmarktkirche dargeboten. Als Dienstältester im Ensemble sitzt auch noch der heute 75-jährige Hubert Tasch, der Neugründer des Vereins, der das Manoloncello spielt. In zwei Jahren wird er sein persönliches 60-jähriges Mandolinen-Jubiläum feiern können. Ihm wird das jetzige Konzert anlässlich des 80-jährigen Bestehens des Vereins eine besondere Freude sein. Nicht nur viele seiner ehemaligen Schüler gestalten es mit, sondern auch seine Kinder und Enkel. Freunde der Mandolinenmusik sind herzlich zum Konzert „Klingende Saiten“ eingeladen. Um 17 Uhr beginnt es. Karten dafür gibt es im Vorverkauf für sieben Euro in der Tourist-Information in Mühlhausen, an der Ratsstraße. An der Abendkasse kostet die Karte acht Euro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.