Hölzerne Märchenhelden

Posted by on 28. April 2009
Schüler der Jugendkunstschule gestalten mit viel Phantasie ihre Figuren

Die Bremer Stadtmusikanten sind bunte und lustige Gesellen. Und man kann auf ihnen reiten. Die Sechs- bis Achtjährigen der Jugendkunstschule Mühlhausen haben ihre eigenen Vorstellungen der Grimm’schen Märchenhelden.

Von Iris HENNING

DACHRIEDEN.
Hannes Hochheim ist begeistert. Der Siebenjährige hat gerade Platz auf dem Rücken des grau-weißen Esels genommen. Oder ist es gar kein Esel? Hinter ihm, ebenfalls auf dem Rücken des geduldigen Phantasietiers, haben noch andere Kameraden Platz genommen: Hund, Katze und Hahn. „Papa, guck mal“, winkt der Knirps dem jungen Mann im weißen Malerkittel zu. Der zückt seinen Fotoapparat: Dieser fröhliche Moment muss in das Familienalbum.
Hannes ist eines von dreizehn Kindern, die während des Kind-Eltern-Workshops der Jugendkunstschule ihre Kreativität ausleben konnten. Es ist der vierte Workshop dieser Art und die Begeisterung sowohl der Kinder als auch der Eltern wächst zunehmend, erzählt Ralf Klement. Der Künstler aus Dachrieden ist Workshop-Leiter. Er stellt sein Ateliergelände, das idyllisch an der Unstrut liegt, zur Verfügung. Mit der groben Kettensäge formt er aus dicken Stämmen heraus, was die Kinder zuvor in der Kunstschule in Mühlhausen zu Papier gebracht haben: Musikinstrumente, Feen, Zwerge. Dieses Mal sind es die Bremer Stadtmusikanten. Und jedes Mal stehen die Kinder staunend vor den Skulpturen, blicken ihren Helden, die plötzlich Formen angenommen haben, ins Gesicht. Mit Farbe, Pinsel und jeder Menge Energie gehen sie dann an ihre neue Arbeit: Die nackten Hölzernen müssen schließlich noch ein Farbkleid bekommen. Wie das aussehen soll, dürfen die Kinder selbst bestimmen. „Die Großen müssen sich zurückhalten, dürfen höchstens Handreichungen erledigen“, beschreibt der Workshop-Leiter die Spielregeln. Die Mädchen und Jungen sollen ihre eigenen Phantasie ungestört entfalten, sollen ihre Lust an Farben ausleben können. „Wir machen nur die ‚Zuarbeit'“, sieht sich Jens Hochheim, der Mann im weißen Kittel und Papa von Hannes, in der Novizenrolle. Er und die anderen Väter und Mütter sind dieses Mal nicht in der Bestimmer-Rolle, wie sonst zu Hause. Die Kinder geben den Rhythmus vor, etwa wann und wie die Farbe gemischt werden soll und wann die Pinsel zu reinigen sind und wann sie Hilfe haben wollen.
Dem Workshop Nummer vier sollen weitere folgen. Vorstellbar für Ralf Klement ist, diese Kinder-Eltern-Erlebnistage noch zu bereichern, zum Beispiel durch Märchen. Kontakt mit dem Erfurter Märchenerzähler Andreas von Rothenbarth hat er schon aufgenommen. Der war so neugierig, das er kurzerhand während des jüngsten Workshops auftauchte – und war begeistert von der Kunst der Kleinen, die Bremer Stadtmusikanten als bunte, lustige Gesellen darzustellen.
Die Skulpturen, die während der Workshops der Jugendkunstschule entstanden, sollen im Sommer des Jahres während einer Ausstellung gezeigt werden.

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