Kampf als Kunst

Posted by on 25. April 2009
Gäste aus fünf Ländern machten Mühlhäuser Wu Shu Gala zum internationalen Ereignis

Sie verteidigen sich mit bloßen Händen gegen Schwerter, Stöcke und Messer. Regenschirme, Gehstöcke und Jeansjacken werden für sie zu Mitteln der Selbstverteidigung. Kampfkünstler aus fünf Ländern demonstrierten am Samstag während der ersten Mühlhäuser Wu Shu Gala in der vollen Georgii-Sporthalle ein hohes Maß an Körperbeherrschung, Konzentration und kulturhistorischen Lebensphilosophien.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.
Mit ihnen sollte man sich lieber nicht anlegen. Die zwei harmlos wirkenden jungen Frauen wissen, wie sie ihre Haut verteidigen können. Ein plötzlicher berfall endet für die Ganoven unsanft auf der Matte. Im Ernstfall wäre es die Straße gewesen, im Ernstfall wären sie so schnell vermutlich nicht wieder aufgestanden. Genau wie der große Kerl, dem der Gehstock eines Seniors zum Verhängnis wurde. Auch der Kerl landete mit (gespieltem) schmerzverzerrtem Gesicht auf der Matte.
Kampfkünstler scheinen das Gesetz der Schwerkraft umgehen zu können. Sie fliegen mühelos durch die Luft, verteidigen sich mit der Geschmeidigkeit einer Katze gegen ein bermaß an Angreifern oder bringen ihre scheinbar überlegenen Möchte-gern-Peiniger in ausweglose Situationen. Selbstverteidigungsmöglichkeiten aus dem fernen Osten stellten Kampfkünstler aus fünf Ländern am Wochenende vor. Sie kamen aus Schottland, Dänemark, Holland, England und Deutschland und waren die Akteure während der ersten Wu Shu Gala, die der Polizeisportverein Mühlhausen gemeinsam mit dem Deutschen Wu Shu Bund organisiert hatte. Viel Applaus gab es dann für die gezeigte Kunst im Judo, Dju-Su, Ju Jutso, Aikido und Co., die von Kindern, Frauen und Männern vorgeführt wurde.
Von einer „wunderbaren Begegnung“ spricht dann auch Gerd Stobbe, der Präsident des Wu Shu Bundes, über die Gala. Sportereignisse dieser Art seien ein Begegnungsort für junge Leute aus vielen Ländern, aber ebenso ein Begegnungsort für die alten Meister, die bereits seit Jahrzehnten diesem Sport verbunden sind. Zu letzteren zählt er auch Dr. Peter Jonscher vom Polizeisportverein Mühlhausen. Seit 45 Jahren ist der Cheftrainer der Wu Shu Gruppe „dabei“, wie Stobbe sagt.
Einen Ort der Begegnung fanden neben den Sportlern auch die Gäste. „Ich finde es einfach toll, dass man nicht nur zuschauen, sondern sich in der Pause auch mit den Sportlern unterhalten kann“, meint einer. Andere waren besonders von der Vielfältigkeit des Tages beeindruckt, etwa von der konzentrierten Präzisionsarbeit der japanischen Bogenschützen. In scheinbarer Langsamkeit zelebrieren sie ihren Schuss auf eine fast dreißig Meter entfernte Scheibe, die im Durchmesser nur wenig größer als eine Torte ist. Während das Publikum gespannt ausharrt, wird jeder Schuss zum punktgenauen Treffer. Das soll erst mal einer nachmachen.
Applaus gab es ebenso für die Kendo-Gruppe aus dem Niedersächsischen und die Schauvorführung der Mühlhäuser Bodybuilder Markus Degenhardt und Guido Kirchner.
Kampfkunst auf ihre Art zeigten ebenso die „Mondbären“ an ihren großen japanischen Trommeln. Im archaischen, wilden Rhythmus füllten sie mit deren Klängen die Halle. Ihnen lauschten auch die zwei jungen Frauen, mit denen man sich lieber nicht anlegen sollte. Harmlos und friedlich sitzen sie auf der Zuschauerbank und geizen ebenso wie die anderen Sportler und Gäste nicht mit Beifall für die „Mondbären“.
„Wir verstehen uns auch nicht als Kämpfer“, sagt einer vom Polizeisportverein aus Eisenach. „Wir wollen Harmonie von Körper und Geist und schulen unsere Konzentration“, erklärt er. Im Fall eines Falles wisse man aber schon, sich gegen ein Stück Boshaftigkeit in der Welt zur Wehr zu setzen.

DIASCHAU

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