Eine berlebensstarke

Posted by on 23. April 2009
300-jährige Sommerlinde auf dem Faulunger Anger fand ihre Kraft als Kopflinde wieder

Manchmal muss man die Niederungen der Alltagswelt einen Augenblick hinter sich lassen, um wieder frische Kraft schöpfen zu können. Um einen Moment innezuhalten, muss man nicht gleich die Urlaubskoffer packen. Auch im Unstrut-Hainich-Kreis kann man sich von der Wunderwelt der Natur faszinieren lassen. Zudem gibt es zahlreiche Naturdenkmale, die einen Abstecher wert sind. Schöne Wanderwege, die zu Naturdenkmalen führen, sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Einer der wohl abwechslungsreichsten Wanderwege im Eichsfeld ist der Naturlehrpfad bei Faulungen. Der führt an der alten Sommerlinde am Faulunger Anger vorüber.

Von Iris HENNING

FAULUNGEN.
Typisch für die Dörfer in der Region war es einst, auf dem Anger eine Linde zu setzen. Sie symbolisierte den zentral gelegenen Platz als geographisches, politisches und kulturelles Zentrum. Gut dreihundert Jahre mag es her sein, dass die Faulunger ihren Anger mit einer Sommerlinde schmückten. Diese Linde ist heute ein markanter Baum. Dabei war in den 90er Jahren dessen Leben in Frage gestellt. Ein Hauptast war abgebrochen. Durch eine Sanierung, verbunden mit der Ausbildung als Kopflinde, konnte der Baumveteranen gerettet werden. Noch im hohen Alter trieb er neu aus.

Die überlebenswillige Linde ist ein guter Ausgangspunkt für die etwa acht Kilometer lange Erkundung des vor sechs Jahren angelegten Naturlehrpfades. Richtung Kirche geht es gleich steil bergan. Ungeübte werden vermutlich schon nach den ersten geschafften Höhenmetern nach Luft schnappen. Es wird nicht besser. Nach dem Pflasterweg folgt eine Wiese, die mindestens ebenso steil nach oben führt. Auch, wenn noch nicht viel des Weges zurückgelegt wurde: Eine erste Verschnaufpause an der Mariengrotte kann nichts schaden. Zudem lohnt es sich, der aus Kalkstein errichteten Grotte ein paar Minuten Aufmerksamkeit zu gönnen. Weiter führt der Weg führt den Berg hoch. Endlich in der waldreichen Höhe, zeigt sich der Lehrpfad von seiner wohl angenehmsten Seite. Sanft schlängelt er sich über Wurzeln und Steine durch die Faulunger Höhe und verwöhnt mit Natur pur. Gleich drei spektakuläre Aussichtspunkte über die reizvolle Hügellandschaft des Eichsfeldes hält der Weg auf den nächsten zwei, drei Kilometern bereit: den Heldrasteinblick, den Dünbergblick und letztlich den Hülfensbergblick. Dann heißt es Abschied nehmen von der Höhe. So steil wie es bergauf ging, geht es nun bergab. Bei regennassem Untergrund ist Trittsicherheit gefragt. Herausgefordert wird auch der Orientierungssinn: So manche Wegmarkierung und so mancher Wegweiser war irgendwelchen Leuten wohl im Weg. Genau wie etliche der Lehrtafeln, auf denen die Natur vorgestellt wird. Schade um die Arbeit des Vereins Landvolkbildung, der sich viel Mühe bei der Gestaltung des Weges gegeben hat. Im Juni 2003 wurde der an die Faulunger als eine kleine touristische Attraktion übergeben. Besser, man denkt während der Wanderung nicht so viel über sinnlose Zerstörung nach. Es stimmt zu traurig und lenkt ab von der Schönheit ringsum. Denn kaum, dass man den Wald verlassen hat, wird man von Streuobstwiesen und Feldern erwartet. Durch ein Duftmeer an Blüten von Kirschen und Weißdorn führt um diese Jahreszeit ein Feldweg nun zurück nach Faulungen. Dort gibt es auf den Bänken unter der alten Linde noch eine kleine Brotzeit aus dem Rucksack. Gut möglich, dass man auf diesem kleinen Platz auch schnell ins Gespräch kommt mit dem einen oder anderen der freundlichen Einwohner Faulungens, der noch so manche alte Geschichte zu erzählen weiß.

Tipps zur Tour

Ausgangspunkt für diese etwa acht Kilometer lange Rundwanderung ist der Anger in Faulungen. Diese Tour bezaubert nicht nur durch ihre überraschende Landschaftsvielfalt, sondern ebenso als typische Eichsfelder Kulturlandschaft.

Entwickelt wurde der Naturlehrpfad von dem Mühlhäuser Naturwissenschaftler Dr. Walter Hochstrate im Auftrag des Naturschutz- und Informationszentrums NIZ. Unter seiner Leitung wurde der Pfad im Jahr 2003 innerhalb eines Projektes des Vereins Landvolkbildung angelegt.

Die Gehzeit für die Strecke beträgt auf Grund des Schwierigkeitsgrades etwa drei Stunden. Zusätzliche Zeit sollte für die drei fantastischen Aussichtspunkte auf der Höhe eingeplant werden.

Besondere Anforderungen stellt die Tour an die Wanderer: Während der acht Kilometer sind immerhin etwa 227 Meter Höhenunterschied zu bewältigen. Trittsicherheit ist vor allem auf den steilen Hängen gefragt.

Einkehrmöglichkeit gibt es während der Tour keine. An den drei Aussichtspunkten laden aber wunderschöne Rastplätze zur Brotzeit ein. Der wohl schönste Rastplatz ist der an der Faulunger Schranne. Auch unter der alten Linde auf dem Dorfanger, dem Anfang und dem Ende der Wanderung, stehen Bänke.
(Quelle: R. Weise, U. Fickel, R. Halle, W. Hochstrate, E. Lehnert, R. Faupel, R. Kaiser: „Naturdenkmale im Unstrut-Hainich-Kreis“)

DIASCHAU

One Response to Eine berlebensstarke

  1. Sabine vom Naturpark

    Liebe Iris, schön, daß die Jugendfeuerwehr von Faulungen durch
    Deinen Artikel animiert wurde, sich für den Lehrpfad in ihrem
    Heimatort zu engagieren.
    Ich bin noch ein bisschen wankelmütig – es gab 2003 von den
    Faulunger`n große Worte und Bereitschaftserklärungen, daß sie diesen
    Lehrpfad wircklich wollen und viel in Sachen Umweltbildung und
    Erholung vorhaben. Deshalb hat die Naturparkverwaltung alles in die
    Wege geleitet – von der Beschaffung der Haushaltsmittel über Bürger-
    beteiligung bis zur Auftragsvergabe an die Landvolkbildung.
    Der Weg war von mir als Kulturlandschaftspfad extra so konzipiert,
    daß er alle Belange von Heimat, Kirche, Haus und Hof anspricht, und
    daß man ihn zwischen Frühstück und Gänsebraten (möglichst in der
    Faulungen Gastronomie!) bewältigen kann.
    Ich habe mit Walter abgesprochen, daß ich alle vorhandenen
    Materialien zur Verfügung stelle und die Feuerwehr bei der notwendigen Mittelbeantragung unterstütze. Als Träger des Projekts stehen wir aber
    nicht mehr zur Verfügung. Wenn Du das ganze publizistisch begleitest
    und sozusagen das Auge der ffentlichkeit drüber wacht, kanns ja
    was werden. Vielleicht haben sich auch die Zeiten geändert; und nun
    das Naturpotential auch wirtschaftlich etwas wert ist. Siehe Hainich,
    wo nachgewiesenermaßen 206 Arbeitsplätze durch die Nutzung des
    Naturpotentials geschaffen wurden. Das hätten sie mit der Variante
    Gewächshausanlage nie geschaffen. Aber das ist nun schon der
    nächste Artikel!!!
    Liebe Grüße von Sabine!

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