Sieben Wochen

Posted by on 21. April 2009
Ein thüringisch-sächsisches Kamerateam begleitet Vier- und Zweibeiner 1200 Kilometer quer durch Spanien,

Vor fünf Wochen machten sie sich auf eine lange Reise: Fünfzehn Hunde aus einem südspanischen Tierheim und ihre menschlichen Begleiter sind am 15. März in Estepona (Malaga) aufgebrochen, um sieben Wochen später in Santiago de Compostela anzukommen. Gut 1200 Kilometer lang ist ihr Fußmarsch im Auftrag des Tierschutzvereins „Adana“. Begleitet wird die außergewöhnliche Prozession von einem thüringisch-sächsischen Kamerateam.

Von Iris HENNING

SPANIEN.
Sevilla, Zafra, Caseres, San Pedro de Rozados waren bereits die Stationen. Die sechste Woche sind Hunde und Menschen bereits unterwegs, um auf das ungerechte und traurige Schicksal vieler ausgesetzter und herrenlose Vierbeiner im Land aufmerksam zu machen: Sie werden vernachlässigt, geschunden und gequält. Ein Hundeleben zählt in Südeuropa nicht viel. Das soll sich ändern. Deswegen die lange Reise. Der Ort Villar de Barrio ist Endpunkt der sechsten Etappe. Etwa eintausend Kilometer sind dann geschafft. Von dort aus geht es die letzte Woche nach Santiago de Compostela, dem geografischen Ziel der langen Reise. Am 2. Mai wollen die Protagonisten dort ankommen. Gut zweihundert Kilometer sind während der siebenten Woche noch zu bewältigen.. Die Vorfreude auf Santiago de Compostela ist nach all den Strapazen des täglichen Fußmarsches groß.
Einen kurzen Einblick in die lange Reise gibt der 31-jährige Fabian Hartmann aus Hüpstedt. Der Medientechniker begleitet die Pilger vom ersten Tag an quer durch Spanien. Die Eindrücke, so schildert er, seien sehr intensiv. „Man kann sich kaum erinnern, was gestern oder vorgestern war. Jeden Tag treffen wir neue interessante Leute, lernen phantastische Landschaften kennen oder kommen an interessanten geschichtsträchtigen Orten vorbei. Viele Filmaufnahmen entstehen spontan. Wir sind oft in Schulen, weil in Vorbereitung der Reise ein Malwettbewerb ausgeschrieben wurde. Unter dem Thema „mi mascote i yo“ (Mein Haustier und ich) malen die Kinder Bilder und stellen diese dann der Pilgergruppe vor. Sie geben sich dabei sehr viel Mühe, die allermeisten haben ein Haustier und stellen die Bilder voller Begeisterung den Pilgern vor. Die Unterkünfte für die Pilger können unterschiedlicher kaum sein. So waren sie in Hotels untergebracht aber auch in Turnhallen, in denen sie alle gemeinsam auf einer großen Matte gelegen haben.
Wir versuchen immer in der Nähe der Pilger zu bleiben. Das funktioniert nicht immer. So mussten wir beispielsweise in Sevilla hinter dem Bahnhof übernachten, kein sehr einladender Ort. Insgesamt kann man aber sagen, dass sich die meisten Städte und Gemeinden große Mühe geben, für uns (Hunde und Menschen) einen guten Platz zu finden. Einige der Pilger meinen inzwischen, dass man den Weg alleine laufen sollte. Im Moment sind sie an eine Gruppe und feste Termine gebunden und tragen die Verantwortung für einen der Hunde, den sie führen. Sie können sich so nicht sehr viel auf sich selbst konzentrieren. Trotz aller Anstrengungen ist aber jeder begeistert, auch davon, wie sich Mensch und Hund aneinander gewöhnen. Die Hunde selbst laufen so weit mit, wie ihre Kräfte und Pfoten es erlauben. Sind sie erschöpft, bekommen sie meist ab der Mittagspause ein „Taxi“. Ab heute ist Narzisso mit seinem Hund Grio und Esel Moreno mit dabei. Er will sich den Einzug in Santiago de Compostela nicht nehmen lassen. Nach unserer Ankunft in Santiago de Compostela wird es eine Messe mit Segnung der Hunde geben. Wir davon aus, dass es sehr viele Leute gibt, die sich mit ihren Tieren kurz vor Ende der Reise der Gruppe anschließen werden. Das wird sicher sehr spektakulär und wir freuen uns sehr darauf…“
Am 3. Mai heißt es Abschied nehmen voneinander. Vielleicht hat mancher der tierliebenden Pilger in seinem ihm anvertrauten Hund einen treuen Lebensgefährten gefunden. Auf jeden Fall aber werden die vierbeinigen Helden auf ihrem Weg und im ganzen Land Eindrücke hinterlassen und dazu anregen, über Menschlichkeit und Tierschutz nachzudenken. ber ihre geplanten und ungeplanten Begegnungen auf dem langen Weg berichten die spanischen Medien ausführlich. Und auch in Deutschland sollen die Tiere und der Tierschutz sowie Land und Leute Spaniens bekannt werden. Das thüringisch-sächsische Kamerateam beginnt mit der Rückkehr in die Heimat mit seiner Hauptarbeit: Fertigstellung des Dokumentarfilms bis September. Erste Fernsehsender haben bereits ihr Interesse an diesem Film angekündigt.

(Finanziert wird das Projekt namens „El Camino“ durch den Tierschutzverein „Adana“ und Sponsorengelder sowie von den menschlichen Begleitern der Hunde.)

Mehr über die lange Reise im Internet:
www.elcamino.adana.es

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