Hausmusik hat viele Freunde

Posted by on 4. April 2009
Das Musizieren wie zu Bachs Zeiten findet ein immer größer werdendes Publikum

Zum vierten Mal fand die lange Nacht der Hausmusik in Thüringen statt. Zum vierten Mal beteiligte sich auch Mühlhausen daran. Die Resonanz in diesem Jahr war groß wie nie: Hausmusik wie zu Bachs Zeiten scheint immer jung zu bleiben und spricht jede Generation an: Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.
Es müssen einst schöne Abende gewesen sein, als das Musizieren zu Hause den langen, düsteren Winterabenden klangvolle Farbe verliehen hat. Hausmusik spielte auch zu Lebzeiten von Johann Sebastian Bach eine große Rolle. Wie stimmungsvoll solche Abende gewesen sein könnten, das vermittelten Lehrer und Schüler der Kreismusikschule „Johann Sebastian Bach“ sowie der Seniorenbläserkreis am Wochenende in Mühlhausen. An fünf Spielstätten erklangen kleine Meisterwerke, hauptsächlich aus der Barockzeit, in die Johann Sebastian Bach hineingeboren wurde. Immer stand dabei das „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ im Mittelpunkt. Durch dieses Büchlein schließlich ist Bach auch heute schon dem musizierenden Nachwuchs ein Begriff. Das bewiesen in der Spielstätte Jakobikirche gleich zwei junge Talente: Der 12-jährige Florian Krümmling und der 13-jährige Julian Ebert nahmen für jeweils ein Musikstück Platz am Klavier. So war es auch zu Zeiten der barocken Hausmusiken üblich, dass jeder, der ein Instrument spielen konnte, auch seinen Anteil am Abendprogramm dazu gab. Wohl verdienten Beifall gab es dann auch für Florian und Julian sowie für das Lehrer-Trio Torsten Müller (Trompete), Marcos Kopf (Klavier) und Holger Strüber (Klarinette), die die Jakobikirche mit wunderbar frischer Hausmusik erfüllten. Die Kirche war letztlich auch Treffpunkt am späten Abend für alle Gäste der Hausmusik. Kinder, Jugendliche und Erwachsene genossen das Finale, das vom Lehrergesangsquartett der Kreismusikschule – Barbara Winkler (Sopran), Sigrun Meißner (Alt), Christian Rangnick (Tenor) und Bernd Sporen (Bass) in Begleitung von Wolfgang Faber (Violine) und Karl-Heinz Moritz (Klavier) – gestaltet wurde. Von einem „sehr erfolgreichen Abend“, sprach dort auch Andreas Weber vom städtischen Kulturamt. „So viele Gäste, vor allem so viele jung Leute, hatten wir noch in keinem Jahr“, fügte er hinzu. Nicht nur die Zuhörer hatten ihr Vergnügen an dem Abend. Auch die Musiklehrer genossen die Freude an der Bach’schen Hausmusik. Sie schenkten ihrem Publikum manche Zugabe.
Mit dem Festival „Lange Nacht der Hausmusik“ wurden die diesjährigen Thüringer Bachwochen eröffnet. Bis zum 26. April werden in den Bachstädten 33 Konzerte aufgeführt. In Mühlhausen wird es nur ein Konzert geben: Am 17. April. Das international besetzte Ensemble „Musica Infinita“ mit der jungen kanadischen Sopranistin Stefanie True wird Arien aus dem „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“ aufführen. Bei seinem Deutschland-Debüt ist das Ensemble unter anderem mit Bachs Kantate bwv 1127 „Alles mit Gott und nichts ohn‘ ihn“ zu erleben, die erst vor wenigen Jahren in der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek entdeckt worden ist.

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