Spiegelmann sucht neue Bleibe

Posted by on 31. März 2009
Dem Kunstobjekt von Reinhard Wand droht die Obdachlosigkeit

„Toleranz“ heißt der in Spiegelglas geritzte Mann. Seit dem Kunst-in-Kirchen-Sommer 2006 hat das gut zwei Meter hohe Kunstobjekt von Reinhard Wand seine Bleibe in der St.-Johannes-Kirche in Niederdorla. Doch bald muss der Spiegelmann gehen – und niemand weiß, wohin.

Von Iris HENNING

NIEDERDORLA.
Erwartungsvoll streckt der athletische Spiegelmann seine Hand aus. Doch niemand ergreift sie, um den entgegen gereichten Gruß zu erwidern. Mit dieser ausdrucksstarken Spiegelung „Toleranz“ beteiligte sich der Dachrieder Künstler Reinhard Wand im Jahr 2006 am Kunst-in-Kirchen-Sommer und erregte einigermaßen Aufsehen. Neben dem Spiegelmann fertigte Wand zudem noch weitere Toleranz-Spiegel an, die die Kirche seit dem zieren. „Mit dem Projekt `Spiegelungen` möchte ich den Betrachter dazu bringen, sich selbst zu reflektieren und für Menschlichkeit und Vorurteilslosigkeit zu plädieren“, sagt der Künstler über sein Objekt.
Doch jetzt droht dem Spiegelmann Obdachlosigkeit. Er muss das Kirchenhaus verlassen, muss dringend notwendigen Bauarbeiten Platz machen. Das Podest, worauf die Kirchenbänke stehen, muss saniert werden, erklärt Pfarrerin Heidrun Senz. Auch die Kirchenbänke sollen bei der Gelegenheit gleich mit saniert werden. Ein Termin für die Bauarbeiten steht zwar noch nicht fest. Aber in diesem Jahr sollen sie beginnen. Dann ist des großformatige Kunstobjekt im Weg.
Dass der Spiegelmann gehen muss, bedauert die Pfarrerin. Aber er sei von Anfang als ein Gast für eine unbestimmte Zeit gekommen. Besser haben es die Spiegel an der Kirchenwandseite: Die sollen bleiben. „Wir müssen allerdings noch überlegen, wie wir sie dem Künstler bezahlen können“, räumt Frau Senz ein.
Eine Idee, wohin mit dem Spiegelmann, hat auch die Leiterin des Projektes Kunst in Kirchen, Ines Gliemann, nicht. „Der gläserne Mann war für die Ausstellung sehr schön`, sagt sie. Doch auf Dauer passe diese dominante Arbeit wohl nicht in eine Kirche. Das, so räumt sie ein, sei auch nicht das Ziel von Kunst in Kirchen.
Gedanken über die Zukunft seines Spiegelobjekts macht sich nun dessen Schöpfer. „Ich weiß auch noch nicht, wohin damit“, sagt Reinhard Wand. „Es passt nur in einen großen Raum“, fügt er an. Etwa zwei Meter hoch und einen Meter im Durchmesser sind die Maße des Kunstwerkes. Als eine Bleibe für „Toleranz“ könnte sich der Künstler Orte vorstellen, wo sich viele Menschen begegnen, die Empfangshalle einer Behörde zum Beispiel oder die eines Bankhauses. Der Dachrieder hofft, dass die gestreckte Hand des Spiegelmannes noch rechtzeitig eine helfende Hand trifft. Ein paar Wochen Frist bis zum Baubeginn und damit der drohenden Obdachlosigkeit bleiben noch.

Kontaktaufnahme zu Reinhard Wand: (036023) 52252

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