Musik ist sein Leben

Posted by on 18. März 2009

Aus der Serie „Mein schönes Hobby“ in der „Thüringer Allgemeinen“:
Die einen haben ihre Freude an Briefmarken, Münzen, Zinnfiguren oder Etiketten. Andere basteln die kuriosesten Dinge. Menschen aus dem Landkreis und deren Lieblingsbeschäftigungen in ihrer Freizeit sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Jürgen Thormann liebt die Musik und ist seit mehr als fünf Jahrzehnten ein Musiker.
Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.
Zu gern hätte der Onkel gesehen, wenn der Jürgen Geige spielen lernte. Doch die Geige wurde zur Qual: Für den Neffen, der sich lustlos mühen und lauter Kopfnüsse für die missratenen Töne einstecken musste, für die harmonieverwöhnten Ohren des Onkels und letztlich für die Geige selbst. In einem Anfall aus Trotz und kindlicher Wut musste die Ungeliebte ihr Leben lassen. Jürgen Thormanns Sinn stand nicht nach Geige. Das Schlagzeug seines Onkels, der Berufsmusiker war, interessierte ihn viel mehr. Irgendwann hatte der Onkel schließlich Erbarmen mit seinem Neffen, und machte ihn mit dem Rhythmus der Trommel bekannt.
Mehr als fünf Jahrzehnte liegt die Eroberung des Schlagzeugs zurück. Vielleicht war es auch anders herum: Das Schlagzeug hat den Heranwachsenden für sich eingenommen. Denn noch heute, im satten 60-plus-Alter, sitzt Jürgen Thormann hinter der wuchtigen Instrumentengruppe aus Trommeln und Becken, genießt die Lebendigkeit der Musik, lässt sich gefangen nehmen vom Rhythmus des Swing, Jazz und Blues. Manchmal, wenn er zur Probe vor sich hinspielt, schickt er seine Gedanken dabei auf die Reise. In die Zeit, als er erstmals vor Publikum spielte. Gerade mal fünfzehn war er damals. „Richtig schöne Bumsmusik haben wir gemacht“, lächelt er über diese Zeit. Das „bisschen rumklopfen“ war ihm bald zu wenig. Er ging in die Musikschule, lernte andere junge Leute kennen, die ebenso musikverrückt waren wie er. In kleinen Bands war der immer gut gelaunte Jürgen Thormann bald sehr gefragt. Im Macki-Quartett spielte er, im Tanzorchester Medizin, in der Dixielandgruppe der Oberschule, im Goldenen Tanz-Quintett und anderen Formationen. Die Wochenenden waren ausgebucht mit Auftritten in den Tanzsälen der Dörfer. Mit der Telecombo fuhr er 1964 zum Deutschlandtreffen nach Berlin. Weitere Stationen seiner Musikerkarriere war unter anderen die Tanzkapelle „Combo 67″ und die LGM-Combo.
Seine erlebnisreichste und schönste Zeit als Freizeitmusiker nennt Jürgen Thormann die mit der Gruppe „Tilenau-Swing-Band“, die zwanzig Jahre Musikgeschichte in Mühlhausen schrieb. 1985 gehörte er zu den insgesamt sechs Gründungsmitgliedern. Ab 1986 zählte diese Formation zu den Gestaltern der Mühlhäuser Musiktage dazu. Sternstunden im Musikerleben sind für Thormann die gemeinsamen Auftritte mit international bekannten Musikern wie dem Boogie-Pianist Christian Bleiming, Little Willie Littlefield, Angelika Weiz, Gene Conners, Angela Brown oder Anke Angel. Die Tilenauer selbst wurden zu musikalischen Botschaftern aus Mühlhausen. Sie brachten Grüße nach Kassel und Potsdam, nach Tourcoing in Frankreich und Hasting in England. Nie vergaßen sie darüber ihre Mühlhäuser Fan-Gemeinde. Jazz zwischen den Jahren und Jazz an der (Popperöder) Quelle wurden zu festen Größen im Musikkalender der Kreisstadt.
Eine Tiefschlag muss es für Jürgen Thormann gewesen sein, als sich die „Tilenauer“ auflösten. Die Harmonie stimmte nicht mehr. Musikerseelen sind sensibel, reagieren empfindlich. Anhaltende Verstimmung vertragen sie nicht. Sie suchten neue Wege. Jürgen Thormanns führte zur Gründung der „Kulturbund-Swingers“. „Dort bin ich der Schlagzeug-Opa“, spielt er lächelnd auf seine gelebten Jahre und den Altersunterschied zu den anderen der Gruppe an. Aber was macht das schon. Hauptsache, er lebt mit seiner Musik weiter. „Ohne die – nein, das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er. Mit ihr ist er immerhin länger verheiratet als mit seiner Frau, mit der er in diesem Monat den goldenen Hochzeitstag feiern kann. Natürlich mit Musik und auch er wird ab und an hinter dem Schlagzeug sitzen.

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