Eine wahre Geschichte

Posted by on 12. März 2009
Inhaftiert auf Burg Hoheneck: Petra Koch verarbeitete einen Teil ihres Lebens durch Aufschreiben

Zeitgeschichte, spannend wie einKrimi. So war die Buchlesung Menschenwege in der Stadtbibliothek Jakobikirche angekündigt. Das war nicht übertrieben. Nur, was der Autorin Petra Koch widerfuhr, war verzweifelter Ernst und wurde bitterste Lebenserfahrung, die noch heute wie ein schwerer Schatten auf ihr lastet.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.
Irgendwann schreibst du das alles auf. Das Versprechen nahm ihr eine Mitgefangene ab. Genau wie Petra Koch saß auch diese Frau politisch, wie es im Sprachjargon in der DDR hieß. Petra Koch, Jahrgangpetra-koch1 1960, ist eine von über 300 000 im Arbeiter- und Bauernstaat politisch Inhaftierten. Zwei Jahre Freiheitsentzug lautete ihr Urteil, weil sie die Republik, in der sie sich eingesperrt fühlte, über die Tschechoslovakei verlassen wollte. 22 Jahre jung war sie. Ihre Sehnsucht hing nicht am Materiellen und auch kaum am Politischen. Sie wollte nur eins: Selbst entscheiden können, was Freiheit bedeutet.
Ihr Fluchtversuch scheiterte. Was folgte, schilderte sie knapp zwanzig Jahre nach dem Mauerfall während der Buchlesung in der Stadtbibliotehk Jakobikirche. Dort las sie am Mittwochabend aus ihrem Buch Menschenwege Politisch inhaftiert auf Burg Hoheneck. Sichtlich schwer fällt der blassen, schmalen Frau auch heute noch, das Geschehene von damals zu begreifen. Nach einer unmenschlichen Odyssee von Gefängnis zu Gefängnis, zermürbenden Verhören durch mitleidlose Staatssicherheitsdiener landete sie letztlich in der berüchtigten Burg Hoheneck, dem Frauengefängnis für Schwerverbrecherinnen. Diese Zeit in diesem Kerker grub tiefe Verwundungen in die Seele der jungen Frau. Noch heute, 26 Jahre nach dem Freikauf durch die Bundesrepublik, schmerzen die Vernarbungen. Burg Hoheneck ist für sie der Inbegriff psychischen und physischen Terrors und tiefster seelischer Verzweiflung.
Noch heute lebt Petra Koch in der Bundesrepublik, in Baden-Württemberg. An ein Zurück in ihre alte Heimat hat sie nie gedacht. Das kann ich nicht. Immer frage ich mich, warum die Menschen das damals zuließen, erklärt sie später im Gespräch. Ihr Buch sieht sie als ein Stück persönliche Verarbeitung des Geschehenen und als Einlösung eines Versprechens, das sie einst einer Mitgefangenen gegeben hat.
Die Buchlesung mit der Autorin Petra Koch war eine Veranstaltung der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

Menschenwege Politisch inhaftiert auf Burg Hoheneck, 176 Seiten, Taschenbuch, 9 Euro, ISBN 3-8280-1683-9

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