Auf Schatzsuche

Posted by on 12. März 2009

Aus der Serie „Mein schönes Hobby“ in der „Thüringer Allgemeinen“:

Die einen haben ihre Freude an Briefmarken, Münzen, Zinnfiguren oder Etiketten. Andere basteln die kuriosesten Dinge. Menschen aus dem Landkreis und deren Lieblingsbeschäftigungen in ihrer Freizeit sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Thomas Schneller und seine Frau Silke aus Mühlhausen sind moderne Schatzsucher.

Von Iris HENNING

MHLHAUSEN.
Er nennt sich Mückenfett“, sie sich Söckchen“. Das sind die Decknamen der Schatzsucher Thomas (Tom) Schneller und seine Frau Silke. Besonders ihn hat das Fiber der Schatzsuche gepackt. Seit fünf Jahren schüttelt es ihn durch, macht ihn zum Umtriebigen. Mehr als 6750 Funde gehen in diesen Jahren auf sein Konto. Das sind 1350 pro Jahr oder knapp 113 im Monat oder mehr als drei pro Tag. Materiell reicher sind die Schnellers dadurch nicht. Die Schätze, die sie finden, liegen in der Lust am Suchen, Entdecken und Erleben. Das Gefundene selber lassen sie wo es ist für die nächsten Sucher. Lediglich ihre Spuren hinterlassen sie. Sie tragen sich in das Logbuch, das immer Bestandteil eines solchen Schatzes ist.
Thomas und Silke Schneller sind aktive Geocacher. Mit Hilfe ihres satellitengestützten Navigationsgerätes, dem GPS, spüren sie Schätze auf, die andere Geocacher gut versteckt haben auf Brückenpfeilern, in Felsspalten, vor markanten Gebäuden, auf verlassenen Plätzen. Manche Schätze lagern sogar auf dem Grund des Meeres oder auf den schneebedeckten Gipfeln der Alpen. Ohne Taucher- oder Bergsteigerausrüstung ist in solchen Fällen wenig auszurichten. Ganz so verrückt sind die Schnellers aber doch nicht. Zwar reisten sie schon durch elf Länder, um die Schätze aufzuspüren, wateten durch Flüsse, stiegen auf Bäume und überquerten Seen. Tauchen und Bergsteigen überlassen sie aber lieber den Profis.
Knifflig und anspruchsvoll sind ihre Touren dennoch. Mancher verschlüsselten Code muss geknackt, manches Rätsel gelöst werden, um an die Koordinaten für die Schatzsuche heranzukommen. Welche Persönlichkeit den Fünf-Mark-Schein der DDR zierte, ist da noch eine der leichtesten Aufgaben. Kondition ist oft gefragt auf den Wegen zum Ziel. Unwegsames Gelände ist nicht ausgeschlossen. Aber das genau ist ja der Spaß, schwärmen die Geocacher von ihrem Hobby. Rätselraten, Wandern, Radfahren, die Umgebung bewusst wahr nehmen, Land und Leute kennen lernen alles das schenke ihnen das Geocaching, egal ob in Deutschland, Frankreich oder auf Mallorca.
Weltweit gibt es derzeit übrigens mehr als 737000 versteckte Schätze, davon im Altkreis Mühlhausen etwas mehr als zweihundert. Etwa hundert davon gehen auf das Konto von Mückenfett“ und Söckchen“. Einer der populärsten Schätze ist ein in einer Kirche verstecktes Buch. Die Eintragung in dieses Buch ist das Ziel der Spurensuche. Von weit her kommen die Geocacher, um dieses Buch zu finden. Das verraten die hinterlassenen Spuren. Viel Lob trugen sie neben ihren Namen in das Logbuch ein. Sie bedanken sich, auf diese wunderbare Weise die schöne Stadt Mühlhausen erlebt zu haben. Eine weitere Geocaching-Tour durch Mühlhausen haben die Schnellers in Arbeit. Die soll mit Persönlichkeiten der Stadt bekannt machen.
Vom Geocaching getrieben, haben Thomas und Silke selbst noch eine lange Wunschliste weiterer Touren. Ganz oben rangiert die Route München – Venedig. Auf einer Strecke von 560 Kilometern, die durch drei Länder führt, warten knifflige Rätsel auf ihre Lösung und wollen manche ungeahnte Hürden im Gelände genommen werden. Bis diese Tour zur Wirklichkeit wird, wird Mückenfett vermutlich noch so einige hundert kleinere Schätze suchen. Aber in dieses Logbuch in Venedig wollen sich er und Söckchen“ auf jeden Fall noch eintragen.

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