Genussvolles Fracksausen

Posted by on 7. März 2009
Vier sangesfreudige Herren bereiteten einen prickelnd Gute-Laune-Abend

Womit verwöhnt man die Frau zu ihrem Ehrentag? Blumen und Pralinen sind artige Nettigkeiten. Wenn es ein bisschen mehr, ein bisschen überraschender sein soll, ist ein Abend voll „Fracksausen“ zu empfehlen. Der bescherte am Wochenende einen ganzen Saal voll prickelnd-guter Laune.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.
Komischer Name, „Fracksausen“. Aber irgendwie witzig. Woher der stammt, blieb Geheimnis des sangesfreudigen Männerquartetts aus Erfurt. Nehmen wir an, dass er gewählt wurde, weil die Herren im Frack auf die Bühne – nein, nicht sausen – elegant hereinsingen. Im Handumdrehen haben sie dann auch die gesamte erwartungsfrohe Aufmerksamkeit der Damenwelt im Puschkinhaus-Saal erobert, wohl wissend dass diese Weiblichkeit alles andere als Fracksausen an ihrem Ehrentag erleben möchte. Die vier Männer, ihres Stimmzeichens ohrenschmeichelnder Bass, Bariton, Mittelstimme und Tenor, geizten dann in keiner Weise, ihr gemütlich Platz genommenes Publikum wohlig zu unterhalten. Nur die erlesensten musikalische Pralinen reichten sie freigebig in die Runde – verführerische Süßigkeiten mit zartem Schmelz, bittersüß, knackig, humorvoll-aromatisch und mit pikantem Biss. Manche der gereichten Köstlichkeiten kam zwar bekannt vor, etwa die in der glitzernden Abba-Verpackung und mit Mamma-Mia-Geschmack, oder die aus der Comedian-Harmonists-Abteilung mit Grünem-Kaktus-Inhalt. Doch so hat man diese Lieder noch nie gehört. Wenn auch der Wiedererkennungswert da war, bezauberten die Herren mit raffinierten Effekten. Darauf legen die musikalischen Pralinenhersteller von „Fracksausen“ auch großen Wert. Es scheint kein Lied zu geben, dass sie nicht auf ihre Art zauberhaft veredeln könnten. Selbst das Sandmännchenlied, als „großer Soundtrack aus dem Abendfernsehen“ angekündigt, fand Platz in ihrer Auslese. Und die A-cappella-Herren – als Reinhard, Mark, Manuel und Heiko stellten sie sich ihrem Publikum vor – scheinen selbst ihre helle Freude daran zu haben, diese außergewöhnliche Verwöhn-Kunst zu beherrschen. Diese Art Musik zu machen ist ihr Ausgleich zum strengen musiktheatralischen Alltag im Opernchor des Erfurter Theaters. Vierstimmig machen sie sich daran, klassische Schranken fallen zu lassen, egal in welcher Zeitepoche sie gerade singen, ob in der Renaissance oder in der Moderne. Jeder von ihnen bekommt entsprechend seiner Stimmlage seinen Platz, ist mal der Star, mal der Refrain im Chor. Das macht nicht nur den Sangesfreudigen unglaublichen Spaß. Vor allem das Publikum hat seine große Freude an solch facettenreichen Stunden. Von diesen geschmackvoll vielseitigen Pralinen kann man auch schwerlich genug bekommen. Viermal forderten die Mühlhäuser Damen noch einmal eines dieser edlen Stückchen als Zugabe, bevor sie dann endlich akzeptierten, dass die Auslese-Schachtel nun geschlossen bleibt. Man kann diesen Lied-Hunger verstehen. Jede der Klangperlen ist eine freudige Überraschung, ein sinnliche Erlebnis der besonderen Art. Und das nicht nur zum Frauentag. Die vier Herren von „Fracksausen“ können mit ihrer Art Humor und kontrastierender, nicht immer ernst zu nehmende Ernsthaftigkeit jeden Tag zum kleinen Lebensgewinn machen.

BU: SANGESFREUDIGE FRACKSAUSLER: Die vier Herren verwöhnten mit ihrer Kunst und ihrem charmanten Humor das Publikum. Fotos: I. HENNING

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