Der Braumeister

Posted by on 25. Februar 2009

Aus der Serie „Mein schönes Hobby“ in der „Thüringer Allgemeinen“:
Die einen haben ihre Freude an Briefmarken, Münzen, Zinnfiguren oder Etiketten. Andere basteln die kuriosesten Dinge. Menschen aus dem Landkreis und deren Lieblingsbeschäftigungen in ihrer Freizeit sollen in dieser Serie vorgestellt werden. Uwe Kley aus Kammerforst braut sein Bier selbst.

Von Iris HENNING

KAMMERFORST

Pils kennt jeder. Es steht auf der Beliebtheitsskala der deutschen Biertrinker ganz oben. Dass Pils ein untergäriges Bier ist, das wissen wohl nur die wenigsten. Für die meisten ist die Hauptsache, dass das schäumige Hopfengebräu schmeckt.
Töpfermeister Uwe Kley aus Kammerforst macht sich mehr Gedanken um den gegorenen Gerstensaft, um dessen berauschende Wirkung schon die alten Germanen gewusst haben. Uwe Kley braut sich sein Bier selbst. Vor acht Jahren entdeckte er die traditionelle Handwerkskunst und ist der Gilde der Hobby-Braumeister beigetreten. Seit dem bestimmt er, auf welche Art er sein Bier herstellt und welche Zutaten er benutzt, die dem Bier den Geschmack verleihen. Das Register reicht von süßlich bis fein-herb.
Vom Hopfenfieber einmal gepackt, wird einmal im Jahr die kleine Hausbrauerei aktiviert. Die ist keine Schicki-Micki-Anlage, die ist zum größten Teil Marke Eigenbau. Der Bierbrauer kann rechnen, er gibt nicht unnötig Geld aus. Aus einem früheren Schlachtekessel wurde das Sudhaus, eine Leineneinkaufstasche der Maischesack. Lediglich ein kleines Gärfass und technisches Zubehör wurden zugekauft. Bange, dass am Anfang der edle Saft misslingen könnte, hatte Uwe Kley nur wenig. Mit theoretischem Wissen hatte er sich gut ausgerüstet, Malz, Hopfen und Hefe waren besorgt. Das weiche Brauwasser – es stammt aus einer Quelle im Thüringer Wald – ebenfalls. Die hilfsbereiten Freunde waren zur Stelle. Denn von einem allein, so beschreibt der Kammerforster Hobby-Braumeister, wäre die Arbeit nur schwer zu schaffen. Das Bierbrauen sei genauso aufwendig wie etwa das Schlachten, vergleicht er. Die Schüttung muss hergestellt werden, das ist die für einen Sud benötigte Menge und Sorte von Malz. Es folgt das Läutern, bei dem das Malz ausgewaschen und danach von der Würze getrennt wird. Es muss gemaischt und gerührt werden, Temperaturen und Stammwürzegehalt wollen regelmäßig kontrolliert sein. Alles in allem: Ein Tag Arbeit müsse man planen, um ein gutes Gebräu zu erhalten. Dann ist aber erst lediglich der Ansatz für das Bier fertig. Zur Hauptgärung marschiert der ins Gärfass. Aus dem Fass wird später das Jungbier in Flaschen abgefüllt. Und wieder ist Geduld gefordert. Denn ehe das Bier zur Genussreife gelangt, dauert es noch einige Wochen. Während der Flaschengärung muss sich das Bier noch mit Kohlensäure anreichern, damit es richtig spritzig wird. „Das ist die Zeit der Vorfreude“, meint Uwe Kley.
Dass das neu Gebraute auch gut schmeckt, daran zweifelt er nicht. Angenehm würzig verbreitet der noch frische Bieransatz bereits seinen Duft. „Rotschwänzchens Quell“ soll der Name dieses Gerstensafts sein. Es wird ein rötliches Bier mit blumigem Hopfengeschmack. Jedem Bier aus seiner kleinen Anlage gibt der Braumeister Namen: 5-Kornbier, 5-Korn-Gold und Schneemärzen taufte er seine Kreationen. ber alle Brauvorgänge führt er genau Protokoll. Da ist der Kammerforster akribisch. Genau so wie beim Verteilen des Bieres: Jeder Helfer bekommt seinen gerechten Anteil. Ein, zwei und mehr Flaschen werden dann auch auf das gute Gelingen des nächsten gemeinsamen Brautages geleert.
Seine Erfahrungen, wie gutes Bier selbst hergestellt werden kann, gibt Uwe Kley gern weiter. Gelegenheit ist am 14. und 15. März: Die Töpferei Kley an der Reckenbühler Straße 16 lädt zu Tagen der offenen Tür ein.

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Biersteuern für Haus- und Hobbybrauer Verordnung zur Durchführung des Biersteuergesetzes (Biersteuer – Durchführungsverordnung – BierStV) vom 24.08.1994

Bier, das von Haus- und Hobbybrauern in ihren Haushalten ausschließlich zum eigenen Verbrauch bereitet und nicht verkauft wird, ist von der Steuer bis zu einer Menge von 2 hl (= 200 L) pro Kalenderjahr befreit. Bier, das von Hausbrauern in nicht gewerblichen Gemeindebrauhäusern hergestellt wird, gilt als in den Haushalten der Hausbrauer hergestellt.

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