Klangperlen in St. Marien

Posted by on 4. Februar 2009
Großartige Konzerte sollen helfen, das verlorene Klangideal der Sauerorgel wieder herzustellen

Die Mühlhäuser Marienkonzerte, die im vergangenen Jahr mit insgesamt sechs Konzerten das Kulturangebot er Kreisstadt bereicherten, werden auch in diesem Jahr wieder mit Klangperlen aufwarten. Am 9. Mai wird die Konzertreihe eröffnet. Zu Gast ist der Staats- und Domchor Berlin, Knabenchor an der Universität der Künste, unter Leitung von Professor Kai-Uwe Jirka.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.
Gut siebzig Knaben werden mit ihren Liedern die Marienkirche in eine klangvollen Konzerthalle verwandeln. Der Knabenchor der Universität der Künste widmet sich mit seinem Programm ganz

VERBORGEN: Wegen Bauarbeiten in St. Marien ist die Sauerorgel gut eingehüllt.
VERBORGEN: Wegen Bauarbeiten in St. Marien ist die Sauerorgel gut eingehüllt.

Mendolssohn-Bartholdy. So wird dieser Meister anlässlich seines 200. Geburtstages in diesem Jahr auch in Mühlhausen seine Würdigung finden. Kein Haus als die Marienkirche wäre wohl besser für dieses Jubiläum geeignet.
Nicht allein Chormusik wird es zur Eröffnung der Marienkonzerte geben. Begleitet wird der Chor bei manchen Liedern von Denny Ph. Wilke an der großen Sauerorgel. Diesem wunderbaren Instrument, das im Jahr 1891 erbaut wurde, sind die Mühlhäuser Marienkonzerte überhaupt erst zu verdanken. So sind namhafte Orgelspieler wie der Gewandhausorganist zu Leipzig, Michael Schönheit, so begeistert von dem großartigen Klangbild der Sauerorgel, dass sie mit anderen, ebenfalls begeisterten Orgelliebhabern den „Freundeskreis Sauerorgel St. Marien Mühlhausen“ gründeten. Schönheit übernahm den Vorsitz im Freundeskreis, sein Meisterschüler, Denny Ph. Wilke, die künstlerische Leitung. Mit viel Kraft widmet sich das Duo seit dem der Mühlhäuser Sauerorgel. Nicht ganz ohne Eigennutz. Größter Wunsch der Organisten ist, dieses Instrument einmal mit vollem Klangbild spielen zu dürfen. Es ist nämlich so, dass diese Orgel in den 1970er Jahren eine vermeintliche Schönheitsoperation erdulden musste. Sie wurde, wie viele Orgeln in jener Zeit, Opfer eines Ästhetikwandels. Das ursprüngliche orchestrale Klangideal hatte seinerzeit an Bedeutung verloren. So wurden auch der Mühlhäuser Orgel verschiedene Teile amputiert. Große Pedalregister wie Bombarde 32′ und Fagott 16′ sowie tiefe Streichregister in den Manualen wurden entfernt.
Bei den heutigen Organisten ist die Trauer über diesen Verlust groß. „Ein lückenhaftes Klangbild“, klagt beispielsweise Denny Ph. Wilke.
Die Marienkonzerte soll das aber nicht in ihrer Qualität beeinflussen. Ausgewählt werden Orgelstücke, die sich trotz Versehrtheit des Instrumentes bestens spielen lassen. „Wir wollen den Mühlhäusern und Gästen Konzerte höchster Qualität anbieten“, so der künstlerische Leiter. Schließlich sollen die Konzerte zum einen das einmalig schöne Klangbild der Sauerorgel in die Herzen der Zuhörer spielen. „Die Mühlhäuser sollen erkennen, welchen Schatz sie eigentlich in ihrer Stadt besitzen. Die Sauerorgel in St. Marien ist einmalig in ganz Mitteldeutschland“, macht auch der Gewandhausorganist den Wert und die Seltenheit des Instruments deutlich. Zum anderen sollen die Konzerte Geld einspielen, damit der Sauerorgel ihre fehlenden Teile wieder eingebaut werden können.
Was so einfach klingt, ist letztlich eine kostspielige Restaurierung. Etwa eine halbe Millionen Euro wird sie kosten. Die Mühlhäuser können das „Projekt Sauerorgel“ unterstützen, etwa durch Konzertbesuche. Sechs hochkarätige Marienkonzerte soll es in diesem Jahr wieder geben: das erste am 9. Mai, das letzte am 31. Dezember. Das Silvesterkonzert, so verspricht Denny Ph. Wilke, wird ein symphonisches Orgelfeuerwerk werden.

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