Der gewitzte Techniker

Posted by on 4. Februar 2009
Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen und dabei eine Theatervorstellung rettete

Sechs neue Stücke brachte die Mühlhäuser Theaterwerkstatt im vergangenen Jahr auf die Bühne. So viel, wie noch in keinem Jahr. Weitere sieben gehörten zum Repertoire 2008. Insgesamt gab es 128 Vorstellungen, davon 98 im eigenen Haus. Eine davon wird besonders lange im Gedächtnis bleiben. Es ist das Märchen von einem der auszog, das Fürchten zu lernen. Als der Spieler des Ein-Personen-Stücks plötzlich krank wurde und auch kein Ersatz da war, sprang der Techniker in diese märchenhafte Rolle und rettete die Vorstellung.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.
Ein wichtiger Tag war es. Die Theaterwerkstatt war Gastgeber für die Zentraltagung der Bundesarbeitsgemeinschaft „Spiel und Theater“. Aus ganz Deutschland kamen die Teilnehmer in die Unstrut-Hainich-Kreisstadt

PUBLIKUMSLIEBLING: Der Name der Rose.
PUBLIKUMSLIEBLING: Der Name der Rose.Kreisstadt.

Mit einer gehörigen Portion Neugier trafen sie beim Gastgeber, der Mühlhäuser Theaterwerkstatt, ein. Die neue Spielstätte wollten sie während dieser Tagung unbedingt kennen lernen. Ein Theater in einer alten Kirche – so etwas haben die meisten noch nie gesehen. „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“, hatte die Theaterwerkstatt für ihre Gäste auf den Spielplan gesetzt, etwas Entspannendes nach drei Tagen Theorie um Spiel und Theater in der Republik. Beinahe wäre diese Vorstellung ausgefallen. Ganz plötzlich krank gemeldet hatte sich der Held der Geschichte und auch der Ersatzheld war verhindert. Die Theaterwerkstatt hat aber noch mehr Mutige, etwa den Cheftechniker Thorsten Zietsch. Er erklärte sich kurzerhand bereit, auf der Bühne das Fürchten zu lernen. Er habe das Stück von seiner Position hinter den Kulissen schon so oft gesehen, dass er es sich zutraue, meinte er. So opferte er dann eine Nacht, um den Text auswendig zu lernen …. „Es hat tatsächlich funktioniert“, wundert sich Regisseur Bernhard Ohnesorge immer noch ein bisschen über den guten Verlauf der Veranstaltung. Natürlich hätte man kaschiert und improvisiert, so haben die „Putzfrau“ (Annelie Gülsdorf) zuvor dem Publikum aufgetischt, dass sie genau wisse, dass es keine gute Vorstellung geben könne, weil eben der Darsteller krank sei … Das Publikum war begeistert. Keiner wollte zum Schluss die Wahrheit glauben.
128 Vorstellungen gaben die 3K-Akteure im vergangenen Jahr. Die wurden von 8737 Gästen besucht. Am beliebtesten war „Der Name der Rose“. Diese Kriminalgeschichte aus dem Mittelalter feierte im Juni Premiere. Sieben Vorstellungen gab es insgesamt, wobei jede von etwa hundert Gästen besucht war. Als Publikumsliebling Nummer zwei zeigt sich „Das tapfere Schneiderlein“. Rechtzeitig in der Vorweihnachtszeit kam das Märchen auf die Bühne. Acht Mal wurde es aufgeführt, knapp 800 Gäste besuchten die Vorstellungen. Erfolgreich waren ebenfalls die neuen Stücke „Eine Frau allein“ mit Diana Holzapfel in der Titelrolle, „Armer Ritter“ und „Ritzen“. Der Liederabend „Herbsterwachen“ kam technisch bedingt nur einmal im vergangem Jahr auf die Bühne.
Weniger Premieren als im vergangenen Jahr wird es in diesem Jahr geben. Insgesamt stehen drei auf dem Arbeitsplan. Mangel an Abwechslung soll aber nicht sein, versprechen die 3K’ler. „Wir haben da mal was vorbereitet ….“ ist schließlich das Motto für 2009. Mitternachtspartys, Spielaktionen, Mozartjubiläum, Großfigurenbasteln, Artedrale, Familienangebote und natürlich Ferienangebote für die Kinder wird es geben. Vielleicht auch wieder manche Überraschung, falls mal wieder der Techniker einspringen muss.

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