Der zackige Napoleon

Posted by on 2. Februar 2009

Aus der Serie „Mein schönes Hobby“ in der „Thüringer Allgemeinen“:

Die einen haben ihre Freude an Münzen, Zinnfiguren oder Etiketten. Andere basteln die kuriosesten Dinge. Menschen aus dem Landkreis und deren Lieblingsbeschäftigungen in ihrer Freizeit sollen in dieser Serie vorgestellt werden. So ist Kurt Stauch aus Mühlhausen ein begeisterter Napoleon-Briefmarken-Sammler. Seine Marken aus aller Welt erzählen ein Stück Geschichte.

Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.
Schuld ist eine Briefmarke aus Kuba. Sie zeigt ein Gemälde des jungen Napoleon Bonaparte, als dieser Konsul war. Gut vierzig Jahre ist es her, als Kurt Stauch diese ergatterte Rarität behutsam in sein AlbumNapoleon sortierte. Napoleon musste sich da noch den Platz mit anderen auf Briefmarken gedruckten Gemälden aus aller Herren Länder teilen. Aber nicht lange. Der Siegertyp eroberte sich im Sturm das ungeteilte Interesse des Philatelisten. Sammelte Kurt Stauch bis dato Briefmarken, die die Abbilder von Gemälden aller Art zeigte, war er von nun vom Napoleon-Virus infiziert. In seine Alben sollte nur noch Marken mit Abbildungen des französischen Helden und aus dessen Geschichte Einzug halten. Das ließ sich Kurt Stauch was kosten. Im damals einzigen Briefmarkengeschäft Mühlhausens war er gern gesehener Stammkunde. Der kleine Laden war für viele Sammler oft die einzige Quelle, an die Begierden ihrer Leidenschaft zu kommen.
Heute hat Kurt Stauch ein dickes Album voll gezackter Bonaparte-Geschichte: Napoleon als smarter Konsul, Napoleon als unbeirrbarer Feldherr, Napoleon als stolzer Monarch, Napoleon auf dem Totenbett … Es gibt wohl kein Zipfelchen Geschichte aus dem Leben dieses Franzosen, das dem Mühlhäuser nicht bekannt wäre. Würde wer bei Günther Jauch auf dem heißen Stuhl sitzen und bei einer Frage über Napoleon ins Schwitzen geraten, dann hätte er Glück, so einen wie Kurt Stauch als Telefonjoker zu haben.
Sein ausgeprägter Napoleon-Tick hat ihn bei seinen Freunden und Bekannten längst einen Necknamen eingebracht. „Ach, da kommt ja unser Napolon“, hört er zur Begrüßung. Der Mittsiebzieger nimmt’s gelassen und schmunzelt darüber. Er weiß, dass er inzwischen eine wohl einmalige Sammlung weit und breit hat. Längst sind die Napoleon-Seiten seines Albums mit Schönschrift zusätzlich geadelt. Die Zeilen geben Auskunft über die jeweiligen Szenen, die die Briefmarken zeigen. Diese Akribie ließ das Stauch’sche Album mittlerweile zu einem begehrten Ausstellungsobjekt werden. In der Mühlhäuser Partnerstadt Münster wurde seine Sammlung gar mit einem Preis geehrt. So ein Erfolg macht schon stolz. Große Freude bereitete dem Mühlhäuser Philatelisten-Gesandten zudem das aufmerksame Interesse vieler Ausstellungsbesucher. Lange blieben sie vor seinem Album stehen. In dem sind neben seltenen Briefmarken zusätzliche Hingucker einsortiert. Einer davon ist ein Briefumschlag. Der ist mit der Jahreszahl 1807 datiert und an den „Quartierobereinnehmer Hentschel in Langensalze“ adressiert. Das heutige Bad Langensalza war in der damaligen von Napoleon geprägten Zeit das „Harzdepartement 3 Gotha“. Auch das geht aus der Briefmarkensammlung von Kurt Stauch hervor.
Sein Hobby ist für den Mühlhäuser eben nicht nur Sammeln, sondern auch ein Stück Geschichtsforschung. Ein Ende wird sie für ihn nicht haben. „Es ist wie mit Skiabfahrt“, vergleicht der Philatelist. „Egal wie optimal die auch aussieht, es geht immer noch ein bisschen besser“.

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