Einmal leer geräumt

Posted by on 22. Januar 2009
Mühlhäuser Bibliothek verleihte im vergangenen Jahr mehr als 110000 Bücher

Jeder Mühlhäuser geht 1,1 Mal im Jahr in die Bibliothek und leiht sich 2,9 Bücher aus. Das lässt sich aus der Jahresstatistik 2008 der Mühlhäuser Bibliothek ableiten. Die weist rund 38000 Besucher aus, die sich im Laufe des Jahres 110000 Bücher, Videos, DVDs und CDs ausgeborgt haben.
Von Iris HENNING

MÜHLHAUSEN.
Damit war die Bibliothek in der Jakobikirche mindestens einmal leer geräumt. Rein theoretisch betrachtet. über 90 000 so genannter Medieneinheiten verfügt das Haus, damit sind neben dem

Sie findet immer was: Sylvia von Einsiedel Foto: I. Henning

Sie findet immer was: Sylvia von Einsiedel Foto: I. Henning

Hauptanteil Bücher ebenso die Tonträger und Filme gemeint. Am liebsten greifen die Mühlhäuser Leser zu Büchern, die in den Bestsellerlisten dieser Zeitung stehen, resümiert Bibliotheksleiter Peter Rink. Demnach waren die Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche, Die Tore der Welt“ von Ken Follett und Schweigeminute“ von Siegfried Lenz aus der Abteilung Belletristik am meisten gefragt. Das bedeutet für Peter Rink nicht, dass diese Bücher auch tatsächlich auch alle bis zum Schluss gelesen wurden. Es gibt so einige, die enttäuscht manches Buch zurückbrachten. Hämorrhoiden und Sekrete des Intimbereiches sind eben doch nicht jedermanns Literaturgeschmack. Dass viele trotzdem nach diesem Buch fragen, liegt wohl an der menschlichen Eigenschaft Neugier. Die Leser wollen wissen, was es mit den humanen Feuchtgebieten auf sich hat.
In der Abteilung Sachbücher ist das Leseverhalten ähnlich: Am meisten gefragt ist, was auf der Bestsellerlliste steht. Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling ist seit fast drei Jahren an unangefochtener Spitze in der Lesergunst.
Was die Leser gern aus ihrer Bibliothek ausleihen möchten, bestimmt zum größten Teil auch die Einkaufsliste der jährlichen Neuanschaffungen. Benutzerorientiert“ nennt es der Bibliothekar. 30 000 Euro hatte der Stadtrat im vergangenen Jahr für den benutzerorientierten Einkauf genehmigt. So viel soll es auch in diesem Jahr wieder sein. Mit diesem Budget können wir einen großen Teil der Leserwünsche auch erfüllen“, so Rink.
Fleißig ist die Stadtbibliothek bei der Werbung für den Nachwuchs. In der Grundschule Martini richtete sie im Herbst vergangenen Jahres eine Bibliothek ein. An zwei Nachmittag in der Woche hat die für die Erst- bis Viertklässler geöffnet. Weil das so gut angenommen wird, sind noch Bibliotheken in den Grundschulen Nikolai und Forstberg geplant. Wenn wir wollen, dass die Kinder später zu uns kommen, müssen wir heute zu ihnen hingehen, ist die Philosophie des Bibliothekshauses. Denn auch das spürt längst das Schrumpfen der Bevölkerung. Die Abwanderung hat nur einen Vorteil für die Zuhause Gebliebenen: Während in Berlin und anderen Großstädten die Buchfavoriten stets unterwegs sind, ist das in Mühlhausen nicht der Fall. Und wenn es doch Wartezeiten auf ein Wunschbuch gibt, hält die sich in Grenzen.
Die Jakobikirche ist nicht mehr nur ein Büchertempel. Sie ist auch beliebter Ort für Kleinkunst. Regelmäß finden Lesungen und kleine Konzerte statt. Zudem rangiert die Bibliothek in der Gunst der Mühlhäuser weit oben. Beinah jeder Besuch von auswärts wird voller Stolz in die Jakobikirche, die schöne Bibliothek der Stadt Mühlhausen, geführt.

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