Eulen helfen Forscher

Posted by on 15. Januar 2009
Naturwissenschaftler Dr. Ralf Weise arbeitet an einem Überblick über Kleinsäuger

Siebenschläfer, Haselmaus, Hamster und Co.: Die Kleinsäuger führen ein Schattendasein im wissenschaftlich erforschten Lebensraum der Tiere. über Verbreitung und Vorkommen ist nur wenig bekannt. Auch in hiesiger Region. Der in Rodeberg ansässige Naturwissenschaftler Dr. Ralf Weise will jetzt versuchen, einen Überblick zu erarbeiten. Die Speisekarte der Eulen soll ihm dabei helfen.

Von Iris HENNING

Bild: Naturfotograf Ralf Weise
Die Waldohreule auf der Lauer. Bild: Naturfotograf Ralf Weise

LANDKREIS. Ein ausrangierter Kunststoffeimer voll seltsamen Etwas. Für den Naturwissenschaftler ist dieser Eimer eine Fundgrube. Winzigen Skelettteilchen, manche nur einige Millimeter klein, ist er auf der Spur. Die seziert er behutsam aus den erdig aussehenden Klümpchen. Die Klümpchen sind Gewölle, wie die grauen, rundlichen oder wurstartigen Gebilde unterschiedlicher Größe heißen. Es sind unverdauliche Reste der Nahrung von Greifvögeln und Eulen. Im Magen haben die sich zu Ballen geformt und wurden später durch die Speiseröhre ausgewürgt, erklärt der Biologe. Das Gewölle aus diesem Eimer stammt von einer Schleiereule aus Bollstedt. In einem Brutkasten mitten im Ort hat es sich diese Eule gemütlich gemacht. Sie fühlt sich dort zu Hause – und hinterlässt Gewölle.
Anhand der Skelettfunde aus diesem tierischen Nachlass weiß Dr. Weise bereits, welche Kleinsäuger in der Umgebung von Bollstedt vorkommen: Feldmaus, Waldmaus, Gelbhalsmaus, Waldspitzmaus, Feldspitzmaus und Erdmaus listet er auf. Diese Tierchen stehen als Delikatessen auf der Speisekarte der Schleiereule. Die Waldohreule ist da genügsamer. Ihr genügt meistens die Feldmaus als Nahrung. Eine Waldohreule, so weiß Dr. Weise, fühlt sich derzeit im Kurpark von Bad Langensalza wohl. Um an ihre Lieblingsspeise Feldmaus zu gelangen, nimmt sie einen entsprechend weiten Weg bis zum Jagdrevier in Kauf.
Was Waldohreule, Schleiereule und Waldkautz so fressen bzw. nicht fressen und wieder auswürgen, will Dr. Weise die nächsten Monate unter die Lupe nehmen. Mit dieser Methode hofft er, einen Überblick zu bekommen, wo welche Kleinsäuger in welchen Mengen im Unstrut-Hainich-Kreis vorkommen. Auf Unterstützung ist der Naturwissenschaftler dabei angewiesen: Die geflügelten Jäger hausen auch oft auf Privatgelände. Er bittet Grundstückbesitzer, die eine Eule in ihrem Garten wissen, um das Gewölle, das die Tiere hinterlassen. Auch Gewölle aus Wald und Flur mit möglichst genauen Angaben zum Fundort sind ihm recht. Aber Vorsicht: Nicht jedes dort gefundene Gewölle ist auch ein echtes. Häufig sieht man im Wald gewöllähnliche Gebilde. Diese falschen Gewölle sind Kot von Raubtieren, von Fuchs, Dachs und Marder zum Beispiel, und der enthält keinen einzigen Knochensplitter, erklärt Dr. Weise den Unterschied.
Interessant für Dr. Weise sind zudem in Wohnhäusern in Fallen geratene Kleinsäuger. Sehr selten geworden sei die Hausratte. Niemand wisse, ob sie überhaupt noch vorkomme. Der ungeliebte Nager wurde von seinem größeren Bruder, der hauptsächlich in der Kanalisation lebenden Wanderratte, vertrieben.

Wer den Naturwissenschaftler bei seiner Forschung unterstützen will, kann sich direkt an ihn in seinem Planungsbüro in Mühlhausen, Tel. 03601 443809, wenden.

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